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von bujatronic » 22. Sep 2013, 20:11
Die Pleuel der Zweitakter (und auch mancher Viertakter) sind an den Lagerstellen oberflächengehärtet, das wurde in den späten MZ-Jahren in einer kohlenstoffreichen Gasphase gemacht (CO, H2, N2, C3H8, soweit ich mich erinnere). Dazu wurden die Pleuel vorher verkupfert, nur die Lagerstellen (Fuß und Auge) blieben frei. Dadurch konnten sich dort die Kohlenstoff-Atome einlagern, während der restliche Teil mit seinen zähen Kerneigenschaften (Schmiedeteil) unverändert blieb, also auch relativ weich, so daß man das Pleuel zum Auswinkeln der Kolben verbiegen konnte (deswegen trägt man ja auch eine KW nicht an den Pleueln!). Das Kupfer wurde anschließend meist wieder chemisch entfernt, ich habe aber auch ein paar Teile, wo es draufblieb, warum auch immer...
Wie das zu BK-Zeiten gemacht wurde, weiß ich leider nicht, aber prinzipiell dürfte es dasselbe gewesen sein.
Bei Katastrophen-Fressern sind diese Stellen fast immer so heiß geworden, daß sich der eingelagerte Kohlenstoff z.T. verflüchtigt hat, außerdem sind die Teile so verformt, daß es mit vernünftigem Aufwand nicht möglich ist, die nötige Form- und Oberflächenqualität eines Wälzlagers zu realisieren. Außederm sind auch Hubzapfen und nicht selten die Hubscheiben mit beeinträchtigt (manchmal die ganze Welle durch Verbiegen), kurz, die Aussage, es handele sich um Schrott (so hart sie auch sein mag) ist richtig.
Ein Regenerieren ist nur möglich, wenn die gehärtete Schicht noch unbeschädigt vorhanden ist (sog. Pittings, wo sie sich durch das vielfache Überrollen so ähnlich wie die Schale einer Mandarine vom Untergrund gelöst hat, machen das Teil auch schrottreif). Nur dann kann man durch Läppen die Lagerstellen wieder rund und glatt machen und durch Übermaßrollen das nötige Spiel in der Größenordnung von 10µm einstellen.
Tut mir leid, daß ich da keine optimistischere Aussage treffen kann. Kann es nachfühlen, habe selbst schon so einige Wellen (Wartburg, Trabant) getötet...
"Vergessen Sie auch nicht, daß jedes Kraftfahrzeug wertvolles Volksvermögen darstellt, das möglichst lange zu erhalten nicht nur einen persönlichen Vorteil bringt, sondern auch eine nationale Pflicht ist!"
Obering. Siegfried Rauch