Wiedermal die Kurbelwelle

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StefanC
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Wiedermal die Kurbelwelle

#1 Beitrag von StefanC » 22. Sep 2013, 09:49

Guten Tag BK Freunde
Bei unserem BK Treffen 2011 war mir das linke Pleuellager festgegangen,einige werden sich erinnern.Kutt hatte mich damals
heimgebracht.Die Kurbelwelle ist getauscht,alles ist gut.Nun wollte ich dieser Tage die KW zur Reparatur bringen,da sagte mir
der gute Mann ich müsse mich gedulden,er müsse warten, bis er wieder ordentliche Pleuel hätte.Meines könnte er nicht mehr nehmen, es wäre zu heiss geworden und unbrauchbar weil grau angelaufen.Nun meine Frage,haut der Mann mir die Taschen voll oder ist da wirklich was dran.Er meint das Pleuel ist käfiglos und nun zu weich,es würde dadurch nur ein paar tausend km halten und dann klappern.Vielleicht habe ich auch was falsch verstanden.
Die KW soll ja wieder ordentlich halten nicht nur bis zum Bäcker an der nächsten Ecke.
Für Wissen,aber auch für Meinungen wäre ich dankbar :?
Es grüßt Euch Stefan C

Utomborder
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#2 Beitrag von Utomborder » 22. Sep 2013, 11:32

Ohne den Laden zu kennen sag ich mal er hat recht. Meine beiden festgegangenen Kurbelwellen wollte auch keiner mehr machen. Die waren aber nur blau-braun angelassen..... :lol:

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oldisegler
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#3 Beitrag von oldisegler » 22. Sep 2013, 11:55

Hallo Stephan,
ich denke auch das er recht hat. Die Lagerstelle ist sicher gehärtet und durch das ausglühen wieder weich geworden. Das bedeutet das die Walzen auf ungehärteten Material laufen würden. Das hält natürlich nicht lange. Man könnte vielleicht einen Lagerring einschrumpfen aber was soll das kosten, ist überhaubt genug "Fleisch" dafür da und was ist wenn das Pleul wieder zu heiß wird? Fragezeichen über Fragezeichen???????
Gruß Oldisegler
Auszüge aus dem Inhalt meines Blogs http://bk350.wordpress.com:
Instandsetzung Telegabel und Motor,
Tipps bei Startproblemen, Modellbau,
Restaurationen, Technische Änderungen, Forumstreffen usw.

Chris
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#4 Beitrag von Chris » 22. Sep 2013, 19:38

Moin,

würde eine alte KW helfen, die noch nicht heißgelaufen war, für einen Einbau aber etwas zu klapprig daherkommt...?
Davon hätte ich so 5-7 Stück...
Eine davon wollt ich mir herrichten lassen.

Wo lässt du das machen?

Chris

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bujatronic
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#5 Beitrag von bujatronic » 22. Sep 2013, 20:11

Die Pleuel der Zweitakter (und auch mancher Viertakter) sind an den Lagerstellen oberflächengehärtet, das wurde in den späten MZ-Jahren in einer kohlenstoffreichen Gasphase gemacht (CO, H2, N2, C3H8, soweit ich mich erinnere). Dazu wurden die Pleuel vorher verkupfert, nur die Lagerstellen (Fuß und Auge) blieben frei. Dadurch konnten sich dort die Kohlenstoff-Atome einlagern, während der restliche Teil mit seinen zähen Kerneigenschaften (Schmiedeteil) unverändert blieb, also auch relativ weich, so daß man das Pleuel zum Auswinkeln der Kolben verbiegen konnte (deswegen trägt man ja auch eine KW nicht an den Pleueln!). Das Kupfer wurde anschließend meist wieder chemisch entfernt, ich habe aber auch ein paar Teile, wo es draufblieb, warum auch immer...
Wie das zu BK-Zeiten gemacht wurde, weiß ich leider nicht, aber prinzipiell dürfte es dasselbe gewesen sein.
Bei Katastrophen-Fressern sind diese Stellen fast immer so heiß geworden, daß sich der eingelagerte Kohlenstoff z.T. verflüchtigt hat, außerdem sind die Teile so verformt, daß es mit vernünftigem Aufwand nicht möglich ist, die nötige Form- und Oberflächenqualität eines Wälzlagers zu realisieren. Außederm sind auch Hubzapfen und nicht selten die Hubscheiben mit beeinträchtigt (manchmal die ganze Welle durch Verbiegen), kurz, die Aussage, es handele sich um Schrott (so hart sie auch sein mag) ist richtig.
Ein Regenerieren ist nur möglich, wenn die gehärtete Schicht noch unbeschädigt vorhanden ist (sog. Pittings, wo sie sich durch das vielfache Überrollen so ähnlich wie die Schale einer Mandarine vom Untergrund gelöst hat, machen das Teil auch schrottreif). Nur dann kann man durch Läppen die Lagerstellen wieder rund und glatt machen und durch Übermaßrollen das nötige Spiel in der Größenordnung von 10µm einstellen.
Tut mir leid, daß ich da keine optimistischere Aussage treffen kann. Kann es nachfühlen, habe selbst schon so einige Wellen (Wartburg, Trabant) getötet...
"Vergessen Sie auch nicht, daß jedes Kraftfahrzeug wertvolles Volksvermögen darstellt, das möglichst lange zu erhalten nicht nur einen persönlichen Vorteil bringt, sondern auch eine nationale Pflicht ist!"
Obering. Siegfried Rauch

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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#6 Beitrag von Utomborder » 22. Sep 2013, 21:51

StefanC hat geschrieben:.....ich müsse mich gedulden,er müsse warten, bis er wieder ordentliche Pleuel hätte....
Werden die jetzt eigentlich auch knapp? Wie siehts da auf dem Markt aus?

Christian
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#7 Beitrag von Christian » 22. Sep 2013, 23:26

Utomborder hat geschrieben:
StefanC hat geschrieben:.....ich müsse mich gedulden,er müsse warten, bis er wieder ordentliche Pleuel hätte....
Werden die jetzt eigentlich auch knapp? Wie siehts da auf dem Markt aus?
"Knapp" ist gut ausgedrückt....Soweit ich weiß, gibt es keine BK-Pleuel mehr in Neu :( . Jedenfalls war dies die Aussage der Instandsetzer, mit denen ich Kontakt hatte.
Wenn jemand hier etwas Gegenteiliges weiß, werden wir sicher ALLE hier im Forum gute Kunden bei derjenigen Firma, die noch welche im Lager hat....


Grüße Christian

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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#8 Beitrag von Utomborder » 23. Sep 2013, 17:41

Daß es neu nix gibt war mir eigentlich klar. Ich mein den Gebruchtmarkt. Wird das ähnlich knapp wie mit den Kardanantrieben?

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bujatronic
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Re: Wiedermal die Kurbelwelle

#9 Beitrag von bujatronic » 23. Sep 2013, 18:59

Wendet Euch mal an:
Eberhard Büchel, Grießbacher Str. 1, 09439 Amtsberg, Weißbach: (0 37 25) 8 47 79 (er weiß Bescheid).
Mit seiner Arbeit (ETZ, TS und BK) war ich immer sehr zufrieden, noch nie ist eine seiner Wellen bei mir festgegangen.
Lediglich einmal hatte ich das Problem mit dem falschen Konus (Lima), die Welle hat er anstandslos getauscht.
Er hat BK-Wellen im Tausch (ntürlich nicht hunderte), und sogar solche mit nadelgelagertem KoBo, Pleuel sind auch kein Problem.
In der "guten alten Zeit" war er der Meister der MZ-KW-Fertigung. Wenn das keine Empfehlung ist...
"Vergessen Sie auch nicht, daß jedes Kraftfahrzeug wertvolles Volksvermögen darstellt, das möglichst lange zu erhalten nicht nur einen persönlichen Vorteil bringt, sondern auch eine nationale Pflicht ist!"
Obering. Siegfried Rauch

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