Kardan-Nachbausatz (8-43)

Reparatur, Restauration, Adressen

Moderator: Ulrich

Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
Axli-Faxli
Beiträge: 81
Registriert: 24. Mai 2021, 12:45
Wohnort: Malschendorf
Kontaktdaten:

Kardan-Nachbausatz (8-43)

#1 Beitrag von Axli-Faxli » 11. Okt 2026, 23:19

Am Ende eines sehr lehrreichen Wochenendes bei meinem Bruder (ToKa) möchte ich Euch von unseren Erfahrungen beim Einbau eines Kardan-Nachbausatzes (8-43) berichten und ein paar Fragen loswerden.

Vorgeschichte: Bei einer Abendrunde Ende September hatte mich meine BK mit scheppernden Geräuschen "geweckt". Die kamen irgendwo aus dem Kardan-Bereich und immer nur im Schubbetrieb (als wollte sie mich mahnen, nicht vom Gas zu gehen :lol: ) - beim Beschleunigen war es weg. Also habe ich die Alte Lady vorsichtigst nach hause gelenkt und bin auf Ursachensuche gegangen.

Diese war kurz und ernüchternd: Kardanglocke runter. Der Keil, mit dem die Kardan-Gabel auf die Wellscheibe vor dem QB20 gepresst bzw. fixiert wird, ragte mindestens 5mm zu weit durch das Auge, so dass das Ende des Keils (mit dem Gewinde) der Kardanglocke die "bimmelnden" Geräusche entlockte.

Die Kardanwelle (de facto also die Kardan-Gabel) ließ sich mühelos abziehen - hatte also durch den "wandernden" Triebling ebenfalls gelitten.

Keil_1.jpeg
Keil_1.jpeg (251.69 KiB) 103 mal betrachtet
Keil_2.jpeg
Keil_2.jpeg (255.33 KiB) 103 mal betrachtet

Dafür kann es nach den Erfahrungen anderer BK-Schrauber mindestens 2 Ursachen geben:

a) ein Riss im Triebling im Bereich des Auges

b) irgendetwas Eingelaufenes oder Zerbrochenes im Bereich der Lagerung des Trieblings

Einen Riss konnte ich (zumindest mit bloßem Auge) nicht ausmachen - und um das Öffnen des Kardangehäuses kam ich ja eh nicht herum. Da meine Werkstatt überschaubar und meine Erfahrungen im Bereich Kardan unzureichend sind bzw. waren :wink: und am Rahmen auch noch was zu tun war, habe ich die Lady kurzerhand auf den Trailer geschnallt und bin zu meinem Bruder gefahren. Ich will ja noch was lernen - und möglichst, ohne was kaputt zu machen :D

Nach dem Zerlegen des Kardangehäuses zeigte sich das Malheur: der innere Ring des Nadelllagers hatte die Distanzhülsen "angefressen". Eventuell sind dabei Partikel in das Nadellager geraten (es ließ sich ausgebaut zwar noch zusammenstecken und bewegen, lief aber nicht seidig sondern eher rauh). Der Fraß dürfte die Ursache für das Herauswandern des Trieblings in Richtung Kardanwelle gewesen sein.

Hülsen.jpeg
Hülsen.jpeg (337.13 KiB) 103 mal betrachtet
Hülse_schmal.jpeg
Hülse_schmal.jpeg (252.14 KiB) 103 mal betrachtet
Hülse_breit.jpeg
Hülse_breit.jpeg (246.36 KiB) 103 mal betrachtet

Anmerkung: aufgrund der Ausführung (abgedrehter Triebling mit Nadellager mit Innenring und 2 Distanzhülsen) waren wir von einem Umbau von Dieter Heyne ausgegangen - was sich nach dem Vergleich der Maße der Distanzhülsen mit Originalen von Dieter aber NICHT bestätigte! Da hat offenbar jemand die Idee von Dieter (leider weniger erfolgreich) gekupfert :roll:
Zuletzt geändert von Axli-Faxli am 12. Okt 2026, 00:21, insgesamt 4-mal geändert.
BK 350 BJ 1957
Simson S51 BJ 1980
Yamaha BT 1100 Bulldog BJ 2005

Benutzeravatar
Axli-Faxli
Beiträge: 81
Registriert: 24. Mai 2021, 12:45
Wohnort: Malschendorf
Kontaktdaten:

Kardan-Nachbausatz (8-43)

#2 Beitrag von Axli-Faxli » 12. Okt 2026, 00:09

Ursprünglich hatten wir geplant, den alten Satz (5-27) wieder zu verbauen - Lager, Distanzhülsen bzw. Halbmonde waren vorhanden. Angesichts der Spuren an der Zahnflanken des Trieblings fiel dann aber die Entscheidung doch zugunsten des Nachbausatzes (8-43), welchen ich vor 2 Jahren glücklich erstanden hatte.

Mit dem Einbau dieses Nachbausatzes hatte Torsten allerdings noch keine Erfahrung. Und ich ja sowieso nicht :?

Der Triebling war ziemlich schnell montiert - zum Probieren erstmal mit einer Beilegescheibe 0,5mm. Spannend wurde das Messen. Sowohl hier im Forum als auch in der Anleitung ist zwar das Maß vom Ende des Trieblings bis zur Innenkante des Kardangehäuses genannt worden (143,25mm)- aber nicht, von wo und womit man das idealerweise ermitteln sollte - das Ende des Trieblings und Innenkante des Kardangehäuses liegen ja nicht in einer Ebene.

Wir sind davon ausgegangen, dass nicht schräg ins Innere (Messung_1) sondern parallel zur Gehäusekante gemessen werden soll (Messung_2). Einen Messschieber mit unterschiedlich langen Schenkeln gibt es m.E. aber nicht. Gottseidank hat Torsten diverse Lehren ... (Messung_2_b)

Mit der Beilegescheibe 0,5mm kamen wir so allerdings nur auf 142,7mm - die musste also raus.

Messung_1.jpeg
Messung_1.jpeg (216.29 KiB) 99 mal betrachtet
Messung_2.jpeg
Messung_2.jpeg (191.57 KiB) 99 mal betrachtet
Messung_2_a.jpeg
Messung_2_a.jpeg (315.76 KiB) 99 mal betrachtet
Messung_2_b.jpeg
Messung_2_b.jpeg (238.96 KiB) 99 mal betrachtet

Wer von Euch hat so einen Satz schon verbaut - und wie habt Ihr das vermessen?

Anschließend versuchten wir, die Kardan-Gabel auf den Triebling zu bekommen. Weder die stark eingearbeitete noch eine gut erhaltene Gabel aus meinen diversen Einkäufen passten. Es hat uns über eine Stunde gekostet, die Verzahnung des Trieblings (Torsten mit Schleifpapier) und der Gabel (ich mit einer kleinen Dreikantfeile) so weit anzupassen, dass sie endlich mit der Schraubzwinge aufeinander gepresst werden konnten. Dann musste auch der Keil noch mit der Feile abgerundet werden - das Auge im Nachbau-Triebling ist an den Enden fast halbrund (beim alten ziemlich eckig).

Nach der Erfahrung mit/ohne Beilegescheibe beim Triebling versuchten wir es beim Tellerrad erstmal ohne - leider mit Schleifgeräuschen. Also 0,2mm untergepackt. Damit ging aber das Flankenspiel gegen 0. Ließ sich mit einer zusätzlichen 0,25mm Deckeldichtung (vorher nur eine 0,5mm, somit nun zusammen 0,75mm) egalisieren.

Zur Begutachtung noch einmal geöffnet: Tragbild traumhaft! :)

So - das solls gewesen sein für heute.
BK 350 BJ 1957
Simson S51 BJ 1980
Yamaha BT 1100 Bulldog BJ 2005

Sport-Lu
Beiträge: 1489
Registriert: 25. Aug 2005, 21:00
Wohnort: Urnshausen/Rhön (Thüringen)

Re: Kardan-Nachbausatz (8-43)

#3 Beitrag von Sport-Lu » 12. Okt 2026, 20:41

Ich hatte (2012) diesen Schaden auch schon.Es gibt eine alte Variante Distanzhülsen und Passscheiben.So wie bei Dir.
D.Heyne hatte mir damals die neuen Teile zugeschickt.Repariert habe ich selber.Die Distanzhülse hatte eine breiteren Auflagefläche zu den Passscheiben.
Die Tellerräder sind beim Nachbau etwas dicker,deshalb gibt es bei manchen Gehäusen diese Probleme das es schleift.
Gruss Jörn! :mrgreen: :mrgreen:
Metzger,Bäcker und Friseure sind in Foren Ingenieure.

Eine BK ohne Ölfleck darunter......"Das ist aber nicht original so!!"

Benutzeravatar
oldisegler
Beiträge: 1675
Registriert: 5. Feb 2006, 18:44
Wohnort: Dohna bei Dresden
Kontaktdaten:

Re: Kardan-Nachbausatz (8-43)

#4 Beitrag von oldisegler » 14. Okt 2026, 19:32

Hallo Axel,
Habt ihr die Einbauanleitung von Kutt nicht gelesen?
Da steht eigentlich alles drin. Es ist allerdings schon ein Stück Arbeit bis alles funktioniert.
Gruß oldisegler
Auszüge aus dem Inhalt meines Blogs http://bk350.wordpress.com:
Instandsetzung Telegabel und Motor,
Tipps bei Startproblemen, Modellbau,
Restaurationen, Technische Änderungen, Forumstreffen usw.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 16 Gäste