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Gleitlackbeschichtung für Kolben

Verfasst: 3. Aug 2008, 19:53
von 4Xbiker
Hallo BK-ler,
bei einigen Motoren ( z.B BMW F800, MZ ETZ 250,auch neu bei Oldtimern z.B DKW oder Puch ) werden Graphit/MoS2 Lacke für das Kolbenhemd verwendet.
Diese Produkte werden in einer Schichtdicke von 5-20 Micrometer
aufgetragen und anschließend bei 200 Grd C eingebrannt. Danach ist die Beschichtung Kraftstoff- und Ölfest !!!!
Wenn man den Produktbeschreibungen glaubt, sollten diese Beschichtungen auch für Zylinderpaarungen mit relativ grossem Einbauspiel geeignet sein. ( Dazu gehört nun mal auch die BK, das schöne Kolbenkippeln bei kaltem Motor kennen doch einige BK Besitzer. )
Die Beschichtung reibt sich in den Bereichen ab, wo das Spiel bei Betriebstemperatur zwischen Kolben und Zylinder am geringsten ist ohne das man einen Kolbenklemmer bekommt. Auch die Behandlung von bereits gelaufenen Kolben soll möglich sein.
Soweit die Theorie.

Die geeigneten Produkte gibt es nur in grossen Mengen und kosten so zwischen 90 Euro, 1 kg und 360 Euro, 5 Kg. Echt zu Teuer !! Oder man sendet die Kolben zu einen Anbieter der die Beschichtung anbietet ( siehe Oldtimer-Praxis, Oldtimer Markt )

Habe mir mal eine Probe des "Wundermittels" besorgt und werde zu-
erst mal den bereits gelaufenen Kolben der RT 125/2 behandeln. Ordentliches Ausmessen von Kolben und Bohrung ist klar, damit die Schicht nicht zu dick wird.
Werde zu gegebener Zeit im Forum berichten.
Jedenfalls hat der Hersteller Interesse gezeigt, auch Packungsgrössen
von 100 Gramm anzubieten. Damit wird es auch für Oldtimerschrauber bezahlbar. Aber zuerst sollte der Praxistest klappen !!

Hat jemand schon Erfahrung mit beschichteten Kolben und wie sind Eure
Meinungen ??

Verfasst: 3. Aug 2008, 21:07
von Marcus
Hallo 4xbiker!

Die Beschichtung von sogenannten MoS2-Lacken sowie gleichnamigen Ölen hat einen entscheidenden Nachteil:
Es sind Schmiermittel auf Molybdänbasis die "Graphit" beinhalten!
Graphit ist zwar gut für die Schmierung zwischen Kolben und Laufbuchse und verbessert auch eventuelle Notlaufeigenschaften, jedoch, wie Du bereits erwähnt hast, lösen sich bei den Lacken auch Bestandteile und kommen somit in den Kurbelwellenraum und die KW-Lager. Dort reibt das Graphit (= eine Modifikation des Kohlenstoffs und somit verhältnismäßig hart) regelrecht an den Lagern und verursacht somit höheren Verschleiß. Bei den entsprechenden Ölen verhält es sich noch schlimmer da das Graphit ständig im Umlauf ist.
Ein ähnliches Produkt, welches die älteren Bk-Forum-Mitglieder evtl. noch aus DDR-Zeiten kennen, ist Motimol (auch ein graphithaltiges Schmiermittel auf Molybdänbasis). Fluch und Segen dieses angeblichen Geheimmittelchens sind bekannt.
Ein weiteres Problem ist, daß es keine fachliche (geschweige denn wissenschaftliche) Publikation gibt, die beweist, daß die MoS2-haltigen Produkte wirken bzw. die von den Herstellern propagierten Effekte erfüllen.
Im Gegenteil, ein geringerer Verschleiß an Kolben und Lauffläche konnte bei gleicher Laufleistung nicht nachgewiesen werden. (Einige Motorradzeitschriften hatten schon Tests publiziert.)

Meine Meinung ist: wenn Du deinem Motorrad was gutes tun willst, dann kauf Dir ein gutes teil- oder vollsynthetisches Mischöl, welches eine höhere Druckbeständig aufweist. Man sollte aber darauf achten, daß die Verbrennungstemperatur des Öls nicht über der Verbrennungstemperatur des Motors liegt. Ansonsten verkoken die Krümmer und Töpfe.
Weiterhin zählt auch die Qualität des Kolbens den Du fährst. Verarbeitung und Material spielen eine große Rolle.
Ein Kolben aus einem vernünftigen Guss hält entsprechend länger als eine "Billig-Produktion". Ein Schmiede-Kolben wäre noch besser, kostet jedoch auch einiges mehr.
Zuguterletzt: Hohnen ist nicht gleich Hohnen, manche Zylinderschleiferei nimmt es leider nicht so genau mit dem Kreuzschliff und den Hundertsteln Spiel.... Einfach mal umhören wer bei wem gute Erfahrungen gemacht hat.
Es gibt besonders bei den älteren Motoren einige Sachen auf die man achten sollte (z.B. Auswinkeln der Pleuel), verarbeitet man dann noch vernünftige Verschleißteile und ist sorgfältig, laufen die Motoren rund und ruhig.

Hoffe ich konnte Dir bei der Entscheidung helfen!?

Gruß Marcus

Verfasst: 3. Aug 2008, 23:10
von 4Xbiker
Hallo Marcus,

das Thema mit den Ölzusätzen habe ich in meine Sturm und Drangzeit an
der ETS 250 selbst ausprobiert und kenne die pos./neg. Wirkungen. Nun sind ja schon einige Jahre ins Land gegangen und neue Produkte wurden entwickelt.
Das von mir ausgewählte Produkt wurde speziell für die Verwendung an Kolben in Verbrennungsmotoren entwickelt und wird auch auf Lasttragvermögen, Verschleißschutz und Lebensdauer getestet.
Ich werd es also mal Testen. ( Habe zum Glück nicht nur einen RT Motor )

Unten noch einige Internetadressen zu diesem Thema.


http://www.kolbenbeschichtung.de/indexx.html

http://www.rbo.at/de/produkte

Verfasst: 4. Aug 2008, 08:00
von kutt
bei meiner ersten zylinder kolben paarung hatte ich ähnliches mal ausprobiert.

ein älterer herr, der früher mal in die richtung gearbeitet hatte gab mir diesen tipp.

resultat:

nach 800km hat mir der motor geklemmt. ich habe das ganze dann noch mal eingefahren und der motor lief gut, bis mir bei ~ kilometer 8000 das passiert ist


meiner meinung nach sollte man sowas nur nehmen, wenn der motor auch ohne das zeug vernünftig läuft. wenn es klemmt, dann ist mechanisch was faul