Wenn man z.B. bei den Anwendungshinweisen für Verzinnungspaste (
http://www.ldm-tuning.de/artikel-6739.htm) "zum Auftragen auf Karosseriebleche als Vorbereitung für die Arbeit mit Karosseriezinn" liest: "Flussmittelreste sind wasserlöslich und sollten nach dem Verzinnen (vor dem Auftragen des Karosseriezinns) gründlich abgewaschen werden" klingeln bei mir alle Alarmglocken, denn das sind mit Sicherheit aggressive Flußmittel. Das mag bei "normalen" Karosserien gehen, deren Lebenserwartung bei weniger als 10 Jahren liegt, aber bei meinem Oldtimer würde ich so etwas nicht einsetzen. Man kann das übrigens ganz einfach mit einem Ph-Streifen oder etwas Rotkohl testen, wenn sich das in Richtung rot verfärbt, ist Säure, wahrscheinlich Salzsäure dabei, dann in hohem Bogen wegschmeißen. Richtig ist der Hinweis zu dem Blei, eutektisches Lot (mit dem niedrigsten Schmelzpunkt) hat 62%Sn, ist aber kaum noch erhältlich. Blei ist übrigens elektrochemisch fast wie Zinn, also weit edler als Fe und damit korrosionsfördernd.
Der Tip mit den Schweißdrähten ist ok, macht mein Klempner auch, habe ich auch bei einem Auspuff (da kann man nicht zinnen oder spachteln) schon gemacht, es ist allerdings besser, sie elektrisch anzuheften. Trotzdem ist das nicht einfach, denn man muß die Delle vom Rand ausgehend autogen gleichmäßig warm machen. Nimmt man eine zu kleine Düse, kühlt es zu schnell ab, man bekommt es nicht gleichmäßig warm, nimmt man eine zu große, läuft man Gefahr, daß zu viel Blech erwärmt wird, trotzdem mit 0,5-1 anfangen und ggf. 1-2 nehmen, keinesfalls einen Schneidbrenner! Bei autogenen Aktionen besteht immer die Gefahr, daß sich das Blech verzieht, besonders wenn es kalt verformt war (und das sind je die meisten Blechteile), weil im Material noch Spannungen bestehen. Ich denke jedoch, daß in so alten Teilen diese inzwischen weitestgehend neutralisiert sein dürften. Beim Auspuff hat es jedenfalls geklappt.
Hier noch ein Foto von meinem Wartburg, ursprünglich war bis zur Kante verzinnt, nach ca. 20 Jahren hob sich das erste Zinn ab, ich habe das lose Material vorsichtig abgetragen und durch selbstgemischte Polyester-Glasfaser-Spachtel (Hobby-Plast) ersetzt, nach weiteren 10 Jahren dieselbe Aktion, und so sieht es heute aus. Deutlich sind der vermehrte Rostansatz an der Grenze der beiden Metalle und die Rostnarben im früher verzinnten Bereich erkennbar.
Mein Fazit: Zinn auf Karosserien hält so 10 bis 15 Jahre. Ich weiß ja nicht, mit welchem Zeithorizont Ihr restauriert...
"Vergessen Sie auch nicht, daß jedes Kraftfahrzeug wertvolles Volksvermögen darstellt, das möglichst lange zu erhalten nicht nur einen persönlichen Vorteil bringt, sondern auch eine nationale Pflicht ist!"
Obering. Siegfried Rauch